Alcobaça

Die größte Zisterzienserkirche Europas und zugleich ein Wallfahrtsort für Verliebte – Alcobaça. Zwischen den Flüssen Alcoa und Baça können Reisende großartige Architektur und eine Fülle spannender Geschichten entdecken.

In der Mitte des 12. Jahrhunderts hatte Afonso Henriques die Mauren in einer großen Schlacht in Santarem besiegt. Und da er zu den Herrschern gehörte, die Wort hielten, erfüllte er sein Versprechen und errichtete eine gewaltige Klosteranlage für die Zisterzienser. Auch später erfuhr der Orden immer wieder reiche Unterstützung durch portugiesische Könige. So finanzierte die Monarchie unter anderem den Kreuzgang, und schon 1269 wurde in Alcobaça die erste öffentliche Schule gegründet, eine Vorläuferin der Universität von Coimbra.

Nähert man sich heute dem Hauptportal, wird man zunächst die typische schlichte Strenge der Zisterzienserarchitektur vergeblich suchen: Kein Wunder, die üppig verzierte zweitürmige Barockfassade entstand erst im 18. Jahrhundert. Acht Spitzbögen fassen das Hauptportal, flankiert werden sie von Statuen des heiligen Bernhard und des heiligen Benedikt aus Carrara-Marmor. Doch kaum hat man den den größten Kirchenraum Portugals betreten, beeindruckt das Langhaus mit den hohen Pfeilern und den gotischen Deckengewölben. Harmonie und asketische Strenge bestimmen das Bild.

Vom Langhaus teilen kräftige Bündelpfeiler zwei Seitenschiffe ab. Hier steht man zwischen den Sarkophagen von Pedro I und Inês de Castro. Ihre reich verzierten Gräber wurden so aufgestellt, dass sich die Liebenden bei der Auferstehung am Jüngsten Tag als erstes in die Augen sehen können. Mit dieser Hoffnung ging eine der tragischsten Liebesgeschichten des portugiesischen Königshauses zu Ende. Pedro, der Sohn des Königs Afonso IV, war aus politischen Gründen gezwungen, Constanza von Kastilien zu heiraten. Doch er liebte eine ihrer Hofdamen, Inês de Castro. Nach dem Tod seiner Gemahlin lebte Pedro in Coimbra mit Inês. Doch Afonso missbilligte diese Verbindung und ließ die heimliche Verlobte 1355 ermorden.

Nach dem Tod seines Vaters soll Pedro zwei der Mörder grausam gestraft haben – es ist überliefert, dass er ihnen das Herz aus dem Leib reißen ließ. Der Sarg von Inês ruht auf sechs kauernden Tiergestalten mit fratzenhaften Gesichtern. Es wird vermutet, dass diese Kreaturen die Mörder der jungen Frau darstellen sollen. Bilder aus Leben und Leiden Christi schmücken die Längsseiten der Grabstatt. Auf sechs Löwen ruht der Sarg Dom Pedros. An den Längsseiten erzählen kunstvolle Steinmetzarbeiten aus dem Leben des heiligen Bartholomäus, der ein Schutzpatron des Königs war.

In einer der Seitenkapellen ist eine Keramikskulptur aus dem 17. Jahrhundert dem Tod des heiligen Bernhard gewidmet. Weiter führt der Rundgang den Kreuzgang des Schweigens mit seinen strengen Galerien und Doppelbogen ein Musterbeispiel für die schöne Schlichtheit in der Baukunst der Zisterzienser.

In der Küche lässt ein 18 Meter hoher Kamin die Herzen aller Hobbyköche höherschlagen: Ganze Ochsen konnten hier gebraten werden, immerhin waren hier einst rund tausend Mönche und Pilger zu versorgen. Für die Frischwasser-Versorgung hatten die findigen Bewohner sogar einen Bach umgeleitet. Die Säle des Klosters beeindrucken mit kunstvoll gemauerten Deckengewölben.

Alcobaça - Zisterzienserkirche

Alcobaça - Zisterzienserkloster

Alcobaça - Zisterzienserkirche

Alcobaça - Zisterzienserkirche

Alcobaça - Sarkophag von Inês de Castro

Alcobaça - Sarkophag von Pedro I

Alcobaça - Tod des heiligen Bernhard

Alcobaça - Küche des Zisterzienserklosters

Alcobaça - Zisterzienserkloster