Porto

Gemächlich strömt der Douro, von Spanien kommend, westwärts durch das nördliche Portugal nach Porto. Der wilde Oberlauf des Flusses schlängelt sich durch bergige Landschaft, begrenzt von steilen, aus den Hügeln gehauenen Weinbergen. Dort gedeihen auf Schieferböden, die die Feuchtigkeit tagsüber gut speichern und in kalten Nächten Wärme abgeben, die Reben, aus denen Portugals Exportschlager gewonnen wird: der Portwein. Mit dem nach 920 Kilometern in den Atlantik mündenden Fluss ist die Geschichte der »heimlichen Hauptstadt« des Landes – wie mit dem Wein – untrennbar verbunden.

Die Ursprünge Portos reichen weit zurück in die Geschichte: Dreihundert Jahre vor Christus siedelten griechische Händler am Ufer des Douro. Offensichtlich gefiel ihnen der Ort, denn sie nannten ihn »kalos« – »schön«. »Portus cale« machten die Römer daraus, als sie sich am Flussufer niederließen. Porto erlebte einen großen Aufschwung, als die Westgoten die Stadt um 540 zur Festung machten und zum Bischofssitz erhoben. Nur wenige Kilometer westlich der Stadt mündet der Douro in den Atlantik, und diese Lage nutzten die ansässigen Händler und Kaufleute und statteten gewinnbringend die Kreuzfahrer aus, die sich auf ihren Weg ins Heilige Land begaben. Lukrativer Gewürzhandel und später vor allem der Portweinhandel mit Britannien begründeten den Ruf der zweitgrößten portugiesischen Stadt: »In Porto wird das Geld verdient, das Lissabon mit leichter Hand wieder ausgibt«, behauptet ein despektierliches Sprichwort.

Heute ist Porto eine Stadt mit vielen Facetten: Schönheit und Verfall sind zu entdecken, laute und leise Ecken, prächtige Kirchen, vor denen Bettler sitzen, glitzernde Geschäfte und marode Straßenzüge, das bunte Treiben am Fluss und die entspannte Atmosphäre der Cafes. Während in Lissabon Paläste vom Reichtum vergangener Zeiten künden, beherrschen in Porto Bankhäuser und Kontore, Juwelierläden und Schuhgeschäfte das Stadtbild. Etwa 400 000 Menschen leben in Porto, und den schönsten Eindruck von der Metropole bietet das südliche Ufer des Douro. Dort, in Vila Nova de Gaia, sind die Portweinkeller zu Hause. Gibt es einen schöneren Ausklang des Urlaubstages, als bei einem Glas Tawny an der Uferpromenade zu sitzen? Aus der Küche weht der verlockende Duft der frisch gegrillten Dorade. Die Sonne geht unter und funkelt auf den Dächern der Kirchen und in den Fenstern der Häuser. Von irgendwo her wehen Musikfetzen. Die Wellen des Douro klatschen leise an die Boote, die auf dem Wasser tanzen. Und plötzlich wirken die dichtgedrängten Häuser der Altstadt am anderen Ufer nicht mehr verfallen, sondern rundum romantisch. In solchen Momenten entfaltet die Stadt ihren ganzen Charme.

Weinterrassen am Douro

Porto - Brücken über den Douro

Porto - Historische Portwein-Kähne

Porto

Porto

Porto

Porto - Historische Portwein-Kähne

Doch bevor man sich hier verführen lässt, lohnt eine Entdeckungsreise zu Fuß durch die Straßen und Gassen der Altstadt, die 1996 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Das älteste Viertel der Stadt, Ribeira, zieht sich vom Ufer des Douro steil hügelan. In diesem, auf den ersten Blick so malerischen Bezirk, wohnen noch heute etwa 3000 Menschen dicht an dicht in den engen, verwinkelten Straßen. Auf der symmetrisch angelegten Praça da Ribeira herrscht munteres Treiben und Musikanten spielen auf. Die Männer treffen sich zum Plausch und beobachten Ankunft und Abfahrt der Schiffchen. Die Kinder springen kreischend in die Fluten und die Frauen hasten schwerbeladen mit ihren Einkäufen vorbei. Die Touristen genießen den Trubel in einem der vielen Restaurants, die ihre Stühle und Tische alle draußen aufgestellt haben. Dabei ist in Porto der Himmel gelegentlich grau – der Juni wird durchschnittlich mit 20 mm beregnet (die Algarve nur mit 1 mm).

Porto - Am Hafen

Porto - Am Hafen

Porto - Akkordeon am Hafen

Porto

Unbedingt einen Besuch wert ist in der östlichen Innenstadt der Hauptbahnhof Estação São Bento. Die Eingangshalle ist eine Augenweide: Auf großformatigen Bildern aus Azulejos sind Szenen aus dem Landleben, historische Ereignisse der portugiesischen Geschichte und Szenen aus der Entwicklung des Transportwesens zu bestaunen. Azulejos, kunstvoll bemalte Kacheln, entdeckt man im Stadtbild auf Schritt und Tritt, vor allem mit christlichen Motiven in und an Kirchen. Nach einem Besuch des Kathedralenbezirks lohnt sich ein Abstecher in die Carmelitas. Im Haus Nr. 144 versteckt sich hier die Buchhandlung Lello, die schönste von Porto, vielleicht sogar von ganz Portugal. Auf zwei Etagen beeindruckt nicht so sehr das Sortiment, wenngleich auch dieses einen zweiten Blick wert ist, sondern vor allem das einzigartige Interieur: das farbige Glasfenster der Decke, die Stuckverzierungen und die reichen Holzschnitzereien an den Wänden sowie besonders eine faszinierende, geschwungene Treppe. Unbedingt besuchen!

Porto - Hauptbahnhof Estação São Bento

Porto - Azulejos

Porto - Azulejos

Porto - Buchhandlung Lello

Von hier aus sind es nur wenige Schritte hinüber zum Torre dos Clérigos, dem höchsten Kirchturm Portugals und idealem Aussichtspunkt, sofern man den Aufstieg über 240 Stufen nicht scheut. Aus dem Häusermeer ragen die wuchtigen Türme der Kathedrale heraus. Aus der Nähe entpuppt sich die Sé allerdings vor allem als großes Gemisch unterschiedlicher Baustile. Ein romanisches Rosettenfenster über dem Portal der Westfassade erinnert an die Ursprünge des gewaltigen Bauwerks, und ein spätbarocker, reichverzierter Pelourinho (Schandpfahl) mit dem zwiespältigen Namen »Arm der Gerechtigkeit« erinnert auch an dunkle Seiten in der langen Geschichte der Stadt.

Genug von Kirchen, Architektur und Kultur? Dann lohnt sich der Bummel entlang der Rua de Santa Catarina. Vorsicht, Portos schönste Einkaufsstraße hat ein gutes und ein schlechtes Ende. Betritt man die Straße vom falschen Ende her, stößt man zunächst auf Verfall. Obwohl sich auch hier Autovermietungen, kleine Geschäfte und Pensionen befinden, ist fraglich, wie lange die alte Bausubstanz dem nagenden Zahn der Zeit noch widerstehen wird. Doch nur wenig bergab in Richtung Fluss und Stadtzentrum befindet sich die schönste Fußgängerzone, Einkaufsstraße und Flaniermeile der Stadt. Elegante Boutiquen bieten die neueste Mode feil, unzählige Schuhgeschäfte lassen Frauenherzen höherschlagen und Männer verzweifeln. Uhren, Schmuck, Elektronik, Sportartikel, Bücher, Videos, Küchengeräte, Kosmetik – ein Shopping-Paradies! Und für das echte portugiesische Flair ist auch gesorgt: Im Cafê Majestic wird Kaffeehauskultur vom Feinsten zu moderaten Preisen zelebriert.

Porto - Torre dos Clérigos

Porto - Kathedrale und alter Bischofspalast

Porto - Rua de Santa Catarina

Porto - Cafê Majestic

Der absolute Pflichttermin Ihres Aufenthalts in Porto ist Vila Nova de Gaia. Nicht jeder Besucher Portos ist ein Liebhaber des Portweins, doch hier lagert unter einem Meer von roten Dächern der größte Teil der weltweiten Produktion. Über 50 Hersteller verkünden mit riesigen Schildern auf Dächern und Hügeln stolz ihre Marktpräsenz. Fast alle bieten Führungen an, erzählen Geschichten aus 250 Jahren Geschichte des Portweins und erklären Unterschiede zwischen Ruby, Tawny und Vintage. Und natürlich laden sie auch gern zur Kostprobe ein. Wer ein urtümliches Ambiente schätzt, sollte Zeit mitbringen. Wer darüber hinaus einen guten Tropfen zu würdigen weiß, sollte auch Bares nicht vergessen.

Porto - Vila Nova de Gaia

Porto - Portwein-Fässer bei Taylor's

Porto - Vila Nova de Gaia